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Konferenz für den wissenschaftlichen Nachwuchs

Bildung und Demokratie in der Weimarer Republik

Jena, 26.8. – 28.8.2019

Kleiner Rosensaal, Fürstengraben 27

Schüler und Ebert

Schüler unter dem Porträt des Reichspräsidenten Friedrich Ebert, o.J.
© Stadtmuseum Brandenburg an der Havel

Die Befreiung von der Herrschafts- und Gesellschaftsordnung des Kaiserreichs bedeutete auch für den Bildungsbereich eine große Chance des Aufbruchs. Der Optimismus bei Vielen war 1918/19 groß, dass nun eine Erneuerung des Bildungswesens in all seinen Bereichen möglich werde – auch im Lichte von Reformüberlegungen, die schon im Kaiserreich formuliert wurden, für deren breitere Umsetzung aber im Obrigkeitsstaat die Voraussetzungen fehlten. Der Schulkompromiss, wie ihn die Weimarer Verfassung formulierte, bildete hierfür eine wichtige Grundlage. Zwar sahen viele Reformer durch die Rücksichtnahme auf konfessionelle Bildungsträger schon ein Ausbremsen des Aufbruchs, doch bildete die staatliche Aufsicht über die Bildung weiterhin die Möglichkeit einer demokratischen Reform des Bildungswesens. Auch eine starke Orientierung an staatsbürgerlicher Bildung oder die Verankerung des Volkshochschulwesens in der neuen Verfassung signalisierten den Willen zum Aufbruch.

Ob und wie dieser genau ausgestaltet wurde, hing nicht zuletzt von den politischen Gegebenheiten in den einzelnen Ländern ab, in deren Zuständigkeit die Bildung damals wie heute bis auf wenige Ausnahmen (z.B. politische Bildung durch die Reichszentrale für Heimatdienst) fiel. Weitreichende Reformen setzten auch die Konfrontation mit traditionellen Bildungsträgern voraus, was besonders im Bereich der gleichermaßen struktur- wie wertkonservativen Hochschulen Erfolge erschwerte. In vielen Fällen entwickelten sich Universitäten vielmehr zu Gegnern der Republik und ihrer demokratischen Bildungspolitik. Trotzdem war republikanischen Bildungspolitikern klar, dass die dauerhafte Verankerung der Demokratie in Deutschland vor allem an einer demokratischen Modernisierung der Bildung hing, und vielerorts waren durchaus Erfolge zu verzeichnen. Dazu gehörte auch ein größeres Bewusstsein für die Bildungschancen von bislang benachteiligten Gruppen, wie etwa Kinder von Arbeitern und kleinen Angestellten oder Mädchen und Frauen. Auch aus der Gesellschaft heraus wuchs ein neues Verständnis von Bildung ‚im Volksstaat‘.

AUFGRUND DER GELTENDEN HYGIENEBESTIMMUNGEN IST EINE TEILNAHME OHNE VORTRAG NUR NACH ANMELDUNG UND NUR IN GERINGEM UMFANG MÖGLICH

 

Programm

(zum Download als pdf)

 

Mittwoch, 26.8.2020

 

Bis 13:45 Uhr Anreise und Einchecken

 

13:45 – 14:00 Uhr Begrüßung (Michael Dreyer, Andreas Braune)

 

14:00     Eröffnungsvortrag

Karl Heinrich Pohl (Kiel)
Durch Bildung zu Demokratie und Sozialismus? Schulpolitik im „Sächsischen Projekt“ 1919-1923

 

14:30 – 16:00 Uhr: 1. Sitzung: Schulpolitik in den Ländern

Jannik Sachweh (Braunschweig)
Eine neue Schule für die Demokratie? Forschungsperspektiven zur Bildungspolitik im Freistaat Braunschweig 1918-1933

Anna Lehner (München)
Schulen und Lehrkräfte für die „Bayerische Ostmark“. Schulpolitik und Regierung im ländlichen Grenzraum der Weimarer Republik (1924-1933)

 

16:00 – 16:30 Uhr: Kaffeepause

 

16:30 – 18:30 Uhr: 2. Sitzung: Außerschulische politische Bildung

Bertram Triebel (Jena)
Erziehung zum Citoyen? Die Anfänge politischer Bildung im Kaiserreich

Christian Lübcke (Hamburg / Rostock)
Versuche einer Demokratisierung der Reichswehr durch staatsbürgerliche Unterrichtung in den Jahren 1919-1920

Pierre Schmuck (Freiburg)
Politische Bildung in der Weimarer Republik. Die Reichszentrale für Heimatdienst und die deutschen Volkshochschulen 1918–1933

 

19:00     Abendvortrag

Matthias Busch (Trier)
„Durch unser ganzes Erziehungssystem muß ein neuer Geist von Freiheit wehen“ –
Schülerselbstregierung und ihre Bedeutung für die Demokratisierung des Schulsystems in der Weimarer Republik

 

20:00 Uhr: gemeinsames Abendessen & Geselligkeit

 

Donnerstag, 27.8.2020

 

9:00 – 10:30 Uhr: 3. Sitzung: Arbeiterbildung

Gunnar Zimmermann (Hamburg)
Die Hamburger Arbeiter-Abiturientenkurse in den Jahren 1923 und 1927 – eine bildungspolitische Innovation mit Langzeitwirkung?

Anne Otto (Halle-Wittenberg)
Zwischen Demokratisierung und Rationalisierung. Arbeiterjugend und Begabung in der Weimarer Republik

 

10:30 – 11:00 Uhr: Kaffeepause

 

11:00 – 12:30 Uhr: 4. Sitzung: Bildungsarbeit als politische Arbeit

Lonny Seyferth (Potsdam)
Engagement der Torhorst-Schwestern im (Aus-)Bildungswesen der Weimarer Republik

Jule Ehms (Bochum)
Verknüpfung von Basisdemokratie und Bildung – das politische Bildungsangebot der FAUD

 

12:30 – 13:30 Uhr: Mittagspause

 

13:30 – 15:00 Uhr: 5. Sitzung: Kommunistische Bildungskonzepte

Rhena Stürmer (Frankfurt / Oder)
Politische Schulungsarbeit im Kaiserreich und der Weimarer Republik. Wandel und Kontinuität im Bildungsverständnis des linkskommunistischen Pädagogen Karl Schröder

Sebastian Engelmann (Tübingen)
Falsche Gleichheit – Edwin Hoernles Kritik an der sozialistischen Reformpädagogik

 

15:20 Uhr: Transfer nach Weimar

-       Besuch der Ausstellung zur Nationalversammlung im Stadtmuseum Weimar (16:00)

-       Besuch des Bauhaus-Museums Weimar (17:00)

-       Besuch des Hauses der Weimarer Republik. Forum für Demokratie  (ca. 18:00)

 

ab 20:00 Uhr: Abendessen & Geselligkeit

 

Freitag, 28.8.2020

 

9:00 – 11:00 Uhr: 6. Sitzung: Intellektuelle und politische Bildung

Soomin Shin (Wien)
„Kunst, auf die ein Volk blickt, verführt es nicht, sondern erzieht es.“ – Der Bildungserfolg des Volksverbandes für Filmkunst, 1928–1930

Péter Techet (Freiburg)
Politische Bildung als Voraussetzung für Kelsens Rechts- und Demokratielehre in der Ersten und der Weimarer Republik, 1920-1933

Tim Zumhof (Münster)
„Erziehung zur praktischen Politik“ – Helmut Plessners Vorschlag für eine Schule für politisches Denken, Staatskunst und Diplomatie im Kontext seiner frühen Schriften der 1920er und -30er Jahre

 

11:00 – 11:30 Uhr: Kaffeepause

 

11:30 – 13:00 Uhr: 7. Sitzung: Historische Bildung als Friedensarbeit?

Jonathan Voges (Hannover)
Völkerversöhnung und Geschichtsunterricht. Der Völkerbund als Gegenstand des Geschichtsunterrichts in der Weimarer Republik

Adrian Weiß (Leipzig)
Politischer Geschichtsunterricht und internationale Aussöhnung — Das Nachleben der kritischen Geschichtspädagogik in der frühen Bundesrepublik

 

ab 13:00 Uhr: Mittagsimbiss und Abreise

 

Tagungsleitung/ Kontakt:

Michael Dreyer                                                Andreas Braune

                      

 

AUFGRUND DER GELTENDEN HYGIENEBESTIMMUNGEN IST EINE TEILNAHME OHNE VORTRAG NUR NACH ANMELDUNG UND NUR IN GERINGEM UMFANG MÖGLICH

 

Zeitraum: 26.08.2020 13:45 Uhr - 28.08.2020 13:00 Uhr