Call for Papers

Konferenz für den wissenschaftlichen Nachwuchs:
Bildung und Demokratie in der Weimarer Republik

Der Weimarer Republik e.V. (www.weimarer-republik.net) und die Forschungsstelle Weimarer Republik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (www.weimarforschung.uni-jena.de) veranstalten zum fünften Mal ihre Sommerkonferenz für den wissenschaftlichen Nachwuchs, in deren Rahmen laufende oder kürzlich abgeschlossene Forschungsarbeiten vorgestellt werden können.

Wenn es die Lage der öffentlichen Gesundheit zulässt, wird die Tagung vom 26. bis 28. August 2020 in Jena stattfinden, andernfalls an einem späteren Termin.

 

Die Befreiung von der Herrschafts- und Gesellschaftsordnung des Kaiserreichs bedeutete auch für den Bildungsbereich eine große Chance des Aufbruchs. Der Optimismus bei Vielen war 1918/19 groß, dass nun eine Erneuerung des Bildungswesens in all seinen Bereichen möglich werde – auch im Lichte von Reformüberlegungen, die schon im Kaiserreich formuliert wurden, für deren breitere Umsetzung aber im Obrigkeitsstaat die Voraussetzungen fehlten. Der Schulkompromiss, wie ihn die Weimarer Verfassung formulierte, bildete hierfür eine wichtige Grundlage. Zwar sahen viele Reformer durch die Rücksichtnahme auf konfessionelle Bildungsträger schon ein Ausbremsen des Aufbruchs, doch bildete die staatliche Aufsicht über die Bildung weiterhin die Möglichkeit einer demokratischen Reform des Bildungswesens. Auch eine starke Orientierung an staatsbürgerlicher Bildung oder die Verankerung des Volkshochschulwesens in der neuen Verfassung signalisierten den Willen zum Aufbruch.

Ob und wie dieser genau ausgestaltet wurde, hing nicht zuletzt von den politischen Gegebenheiten in den einzelnen Ländern ab, in deren Zuständigkeit die Bildung damals wie heute bis auf wenige Ausnahmen (z.B. politische Bildung durch die Reichszentrale für Heimatdienst) fiel. Weitreichende Reformen setzten auch die Konfrontation mit traditionellen Bildungsträgern voraus, was besonders im Bereich der gleichermaßen struktur- wie wertkonservativen Hochschulen Erfolge erschwerte. In vielen Fällen entwickelten sich Universitäten vielmehr zu Gegnern der Republik und ihrer demokratischen Bildungspolitik. Trotzdem war republikanischen Bildungspolitikern klar, dass die dauerhafte Verankerung der Demokratie in Deutschland vor allem an einer demokratischen Modernisierung der Bildung hing, und vielerorts waren durchaus Erfolge zu verzeichnen. Dazu gehörte auch ein größeres Bewusstsein für die Bildungschancen von bislang benachteiligten Gruppen, wie etwa Kinder von Arbeitern und kleinen Angestellten oder Mädchen und Frauen. Auch aus der Gesellschaft heraus wuchs ein neues Verständnis von Bildung ‚im Volksstaat‘.

Vor diesem Hintergrund der Verzahnung von Politik und Bildung sollen laufende oder kürzlich abgeschlossene Forschungsvorhaben (Habilitation, Dissertation, Master, Staatsexamen) vorgestellt und gemeinsam diskutiert werden. Der Zugriff ist dabei bewusst breit und interdisziplinär angelegt. Beiträge zur Schul- und Hochschulpolitik sind genauso willkommen wie zu ‚außerschulischen‘ Bildungsträgern wie etwa Volkshochschulen oder der Arbeiterbildungsbewegung. Reformpädagogik in Theorie und Praxis kann thematisiert werden, genauso wie der gesellschaftliche und erziehungswissenschaftliche Bildungsdiskurs. Besonders erwünscht sind Beiträge zur politischen Bildung durch die diversen Träger der damaligen Zeit (Schule, Reichszentrale für Heimatdienst, zivilgesellschaftliche Initiativen, Parteien und Verbände…). Der Bildungsauftrag von Museen, Theatern, Orchestern und Rundfunk und Film kann von Interesse sein. Individuelle Akteure der Bildungspolitik und des Bildungsdiskurses können vorgestellt werden, und auch Beiträge zur Universitätsgeschichte sind willkommen, wenn sie den Zusammenhang zu Bildung und Politik in der Weimarer Zeit herstellen. Neben dem zentralen Blick auf Deutschland sind auch international vergleichende Fragestellungen oder Themen des transnationalen Transfers ausdrücklich erwünscht.

Wir richten uns damit vor allem an Forschende der Geschichts- und Politikwissenschaft, der historischen Bildungsforschung und historischen Bildungssoziologie und benachbarter Disziplinen. Auch Arbeiten aus der historischen Erforschung einzelner Fachdidaktiken können von Interesse sein, genauso wie (staats-)rechtliche Aspekte der Bildung sowie landes- und regionalgeschichtliche Arbeiten mit einem entsprechenden Schwerpunkt. Sehr willkommen (aber keine Voraussetzung) ist dabei auch, wenn die Wurzeln von Modernisierungsbestrebungen im Kaiserreich thematisiert werden, genauso wie die Fortwirkungen der Weimarer Entwicklungen nach 1933. Ein besonderes Augenmerk kann dabei auch darauf liegen, wie der Neuaufbau der Bildungslandschaft nach 1945 von den Erfahrungen der ersten deutschen Demokratie geprägt war.

 

Prof. Dr. Matthias Busch (Universität Trier) hat einen Abendvortrag zu „Bildung und Demokratie in der Weimarer Republik“ (AT) zugesagt.

Die Dokumentation der Beiträge in einem Tagungsband in der Reihe „Weimarer Schriften zur Republik“ ist vorgesehen.

 

Reichen Sie bitten einen kurzen thematischen Abstract (bis zu ca. 3000 Zeichen, inkl. Leerzeichen) und einen kurzen Lebenslauf ein.

 

 

Zeitraum: 26.08.2020 14:00 Uhr - 28.08.2020 14:00 Uhr