1. Postdoktorandenprojekt: Die Konsolidierung der Demokratie. Zur Konfliktgeschichte der frühen Weimarer Republik, 1918-1924

Kurzbeschreibung

Erlebte die Weimarer Republik einen „Bürgerkrieg“? Während in der öffentlichen Erinnerungskultur und mitunter auch der wissenschaftlichen Literatur den Konflikten zu Beginn der 1930er ohne weiteres die Dramatisierung „Bürgerkrieg“ angeheftet wird, werden die Konflikte in der Weimarer Frühphase höchstens relativierend als „bürgerkriegsähnlich“ beschrieben. Der Grund ist aus der Rückschau offensichtlich. 1924 wurde eine Stabilisierung erreicht. 1933 erfolgte der Zusammenbruch des demokratischen Systems. Das Abflauen der politischen Gewalt zwischen 1924-29 wirkt daher im Nachhinein betrachtet als Pyrrhus-Sieg. Hinzu kommt, dass auch der „Bürgerkrieg“ im ersten Jahrfünft der Republik vom Standpunkt allgemein akzeptierter Definitionen tatsächlich nur ein „relativer“ war. Unterm Strich gelang es den Trägern des staatlichen Gewaltmonopols selbiges mit Erfolg zu festigen, sodass sich in Deutschland kein russisches, spanisches oder syrisches Szenario entfaltete. Das Wie und Warum der Konflikt- und Gewaltsituationen, der Eskalations- und Deeskalationsdynamiken wird hier in einer soziologisch fundierten Konfliktgeschichte untersucht, die politiktheoretische Betrachtungen aufnimmt.

Eine solche Untersuchung lässt wesentliche neue Erkenntnisse über jenen Konflikt erwarten, der die Anfangsjahre der Weimarer Republik bestimmte. Dieser Konflikt war sicherlich keine „Urkatastrophe“, welche das weitere Schicksal der Republik gewissermaßen vorwegnahm, aber in der Anfangszeit wurden wichtige Weichenstellungen hinsichtlich der Art und Weise getroffen, wie die unterschiedlichen Gruppen auf zukünftige Konflikte reagierten. Für die republikanisch gesinnten Zeitgenossen erschien das Jahr 1924 mitunter als ein Sieg auf der ganzen Linie. Das Reich wurde dank des Einsatzes der Republikaner vor Chaos und Zerschlagung bewahrt und der deutsche Nationalstaat somit gerettet, so lautete der Gründungsmythos des 1924 gegründeten Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, welches sich wortwörtlich den Schutz der Republik auf die Fahnen schrieb. Aber was war der Preis des Sieges?

Bearbeiter:
Dr. Sebastian Elsbach

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Lebenslauf

seit Sommer 2019: Postdotorandenstipendiat (Gerda-Henkel-Stiftung) am Forschungskolleg "Das Demokratische Gewaltmonopol in der Weimarer Republik, 1918-1924" an der Forschungsstelle Weimarer Republik

2019: Dissertationspreis des Fördervereins des Instituts für Politikwissenschaft der FSU Jena

2015 - 2018: Promotionsstipendiat der Gerda-Henkel-Stiftung

2014 - 2018: Doktorand in Jena zum Thema:

„Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Republikschutz und politische Gewalt in der Weimarer Republik“, mit summa cum laude abgeschlossen

2013: Masterabschluss mit einer Arbeit zu "Der Antisemitismus Ernst Niekischs und dessen Ursprung im Milieu der Konservativen Revolution"

2011 - 2013: Studium der Politikwissenschaft, Geschichte und Soziologie in Jena, zudem Forschungspraktika am ITAS (Karlsruhe) und im TAB (Berlin)

2010 - 2011: Erasmusaufenthalt in Lodz (Polen) und Bachelorabschluss in Chemnitz

2007 - 2010: Studium der Sozialwissenschaften in Frankfurt (Oder) und Chemnitz

 

Publikationen

Monographien und Herausgeberschaften:

Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Republikschutz und politische Gewalt in der Weimarer Republik, Stuttgart 2019.

Konsens und Konflikt. Demokratische Transformation in der Weimarer und Bonner Republik, (Hg. mit Ronny Noak und Andreas Braune), Stuttgart 2019.

Mitarbeit: Synthetische Biologie - die nächste Stufe der Bio- und Gentechnologie (Arnold Sauter et al.), TAB-Arbeitsbericht Nr. 164, Berlin 2015, < https://www.tab-beim-bundestag.de/de/pdf/publikationen/zusammenfassungen/TAB-Arbeitsbericht-ab164_Z.pdf>.

 

Aufsätze:

Von der Revolution in Anhalt bis zum Kapp-Putsch in Berlin. Wolfgang Heines politisches Denken und Handeln, in: Revolutionäre Zeiten zwischen Elbe und Saale, Wagner, Patrick / Hettling, Manfred (Hg.), Halle 2019, S. 102-128.

„Das freie Auge spricht!“ (mit Ronny Noak). Politische Bildung in den Parteien der Weimarer Koalition und dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, in: Jahrbuch für Historische Bildungsforschung 25 (2019), S. 87-114.

Einleitung: Die Normalität des Konfliktes (mit Ronny Noak und Andreas Braune), in: Konsens und Konflikt (siehe oben), Stuttgart 2019, S. XI-XXIII.

Gewalt, Prestige und der Schutz der Republik. Mikrosoziologie politischer Tötungsdelikte im Freistaat Preußen, 1924-1930, in: Konsens und Konflikt (siehe oben), Stuttgart 2019, S. 171-194.

Gewalt als Mittel der Republik (mit Andreas Braune). Im Visier der Radikalen, in: Die Republik von Weimar, Damals Sonderband 2018, S. 73-80.

Völkischer Bolschewismus und der „ewige Jude“. Antisemitismus bei Ernst Niekisch, in: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 24 (2015), S. 153-182.

Lexikoneinträge:

Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Lebendiges Museum Online, <https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/das-reichsbanner-schwarz-rot-gold.html>, 28.08.2019.

Die Eiserne Front, Lebendiges Museum Online, <https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/die-eiserne-front.html>, 02.04.2019.

Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, in: Handbuch des Antisemitismus Bd. 8, Wolfgang Benz (Hg.), De Gruyter Verlag, Oldenburg 2015.

 

Tagungsberichte und Rezensionen:

Doppelrezension: Liberal, deutsch und jüdisch – Neue biographische Studien zu Paul Nathan und Ludwig Haas, in: Medaon 13 (2019), <https://www.medaon.de/de/artikel/sebastian-elsbach-liberal-deutsch-und-juedisch-neue-biographische-studien-zu-paul-nathan-und-ludwig-haas/>.

Die Politik in der Kultur und den Medien der Weimarer Republik (mit Ronny Noak), 28.08.-30.08.2019 Jena, in: H-Soz-Kult, 11.10.2019, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-8438>.

Im Gleichschritt für die Republik, M. Böhles, in: Neue Politische Literatur 63/2 (2018), S. 298f.

Die Weimarer Republik in der deutschen Demokratiegeschichte (mit Marcel Böhles), 21.08.-23.08.2017 Jena, in: H-Soz-Kult, 19.09.2017,  <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-7326>.

Weimar und globaler politischer Wandel (mit Ronny Noak). Deutschland und die Etablierung einer neuen Völkerrechts- und Weltwirtschaftsordnung nach 1918, 09.12.-11.12.2016 Weimar, in: H-Soz-Kult, 20.02.2017, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-6976>.

Weimar als Herausforderung. Die Weimarer Republik und die Demokratie im 21. Jahrhundert, 27.11.-29.11.2015 Berlin, in: H-Soz-Kult, 16.02.2016, <http://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-6398>.